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An der FMZ Startup Academy in Luzern gründen die Lernenden im zweiten Jahr der Wirtschaftsmittelschule ein Startup und führen dessen Buchhaltung mit Banana Buchhaltung. Laut Thibault Hutzli, Lehrer für Rechnungswesen, Wirtschaft und Recht sowie Berufspraxis an der FMZ Luzern, macht die Arbeit mit den Geschäftsvorfällen des eigenen Unternehmens die Buchhaltung motivierender: Die Lernenden erkennen, wozu sie das im Unterricht Gelernte brauchen und weshalb es wichtig ist, die finanzielle Situation ihres eigenen Startups zu kennen.
Ein Nachmittag pro Woche, um ein Startup aufzubauen
Für Lehrer Hutzli ist die verfügbare Zeit der entscheidende Ausgangspunkt. Im regulären Unterricht lässt die Vorbereitung auf die Berufsmaturitätsprüfung wenig Raum für den Einsatz einer Buchhaltungssoftware. Vor dem Start des Projekts waren die Möglichkeiten, mit solchen Programmen zu arbeiten, deshalb begrenzt. An der FMZ Startup Academy steht den Lernenden der Wirtschaftsmittelschule (WML) hingegen während des ganzen Schuljahres ein kompletter Nachmittag pro Woche mit vier Unterrichtslektionen zur Verfügung.
Dank dieser Zeit können die Lernenden den Aufbau eines Unternehmens über das ganze Schuljahr hinweg begleiten und selbst gestalten. In Gruppen von fünf bis sieben Personen entwickeln sie ein Produkt, suchen Geldgeber, erstellen eine Website und kümmern sich um die Werbung. In der von Hutzli beschriebenen Ausgabe nehmen zwölf Startups teil, die von vier Lehrpersonen aus dem Wirtschaftsbereich und einer Informatiklehrperson betreut werden. Zum Projekt gehört auch der Austausch mit externen Partnern: Die Luzerner Kantonalbank prüft die Businesspläne, während Wintermärkte und die Mall of Switzerland den Lernenden die Möglichkeit bieten, ihre Produkte direkt an Kundinnen und Kunden zu verkaufen.
Wie die Lernenden mit Banana Buchhaltung führen
Mit dem Start der Geschäftstätigkeit fallen auch die ersten Geschäftsvorfälle an, die verbucht werden müssen: eine erhaltene Finanzierung, ein verkauftes Produkt oder die Bezahlung des Website-Hostings. Auch die MWST und die Verbuchung der Warenbestände werden behandelt. Gemeinsam mit den Lehrpersonen passen die Lernenden den Kontenplan an die Bedürfnisse ihres Startups an, ändern einzelne Kontenbezeichnungen und befassen sich mit besonderen Fällen wie den TWINT-Gebühren.
Der Monatsabschluss gibt den Rhythmus vor. Die Lernenden sammeln und nummerieren die Belege, bewahren Fotos davon auf und legen den Lehrpersonen die Bilanz und die Erfolgsrechnung zur Kontrolle vor. Sie erstellen auch Rechnungen, die mit den Angaben und dem Logo ihres Startups personalisiert sind und einen QR-Code enthalten. Thibault Hutzli berichtet, wie zufrieden die Lernenden sind, wenn sie das Ergebnis ihrer Arbeit sehen: Aus ihren Buchungen entstehen die Buchhaltungsauswertungen und Rechnungen des eigenen Unternehmens.
Nach Schätzungen des Lehrers erfasst ein Startup ungefähr 50 bis 80 Buchungszeilen pro Jahr und erzielt in der Regel einen Umsatz von 1000 bis 2000 Franken. Der Umfang entspricht dem eines kleinen Unternehmens, dennoch erfordert die Arbeit Genauigkeit und Kontinuität. Aus der Buchhaltung gewinnen die Lernenden zudem wichtige Zahlen für den Finanzteil ihres Businessplans.
Warum sich die Schule für Banana entschieden hat
Damit die Lernenden neben den anderen Projektaufgaben auch die Buchhaltung führen können, suchte die Schule ein Programm, das sich einfach erlernen lässt. Die Wahl fiel auf Banana Buchhaltung.
«Einfach ist das erste Wort, das mir in den Sinn kommt. Es ist ein sehr intuitives Programm, mit dem man leicht arbeiten kann. Und es funktioniert: Es bietet alles, was man braucht.»
Die Entscheidung beruhte auch auf persönlichen Erfahrungen. Einige Lehrpersonen kannten Banana bereits aus ihrer Tätigkeit in Vereinen und schätzten die einfache Bedienung. Banana ist eine Buchhaltungssoftware mit einer tabellenbasierten Benutzeroberfläche, ähnlich wie Excel. Damit lassen sich Geschäftsvorfälle buchen, Rechnungen erstellen sowie Bilanzen und Erfolgsrechnungen aufbereiten. In der Startup Academy erfüllen diese Funktionen die täglichen Anforderungen der Gruppen.
Beim Wechsel von der bisherigen Software stellte Hutzli fest, dass die Arbeit mit Banana einfacher und direkter war. Er brachte sich die Bedienung selbst bei, indem er die verfügbaren Anleitungen und Videos nutzte. Anschliessend erstellte er ein Handbuch für die Lernenden. Auch das kostenlose Abonnement für die Schule spielte eine Rolle, denn für ein Projekt mit begrenztem Budget ist dies ein wertvoller Vorteil. Doch auch ohne diesen Vorteil, sagt Hutzli, wäre Banana eine seiner ersten Optionen gewesen.
Wenn es um die eigenen Zahlen geht
«Die Motivation ist höher, weil die Lernenden merken, dass sie das Gelernte in der Praxis anwenden können. Im normalen Unterricht kann die Theorie weit weg vom Alltag erscheinen. Mit einer Software zu arbeiten und die eigenen Geschäftsvorfälle zu verbuchen, ist viel motivierender.»
Einige Lernende verwenden Banana auch später weiter, sei es im Beruf oder in Vereinen. Für Hutzli bildet diese Erfahrung zudem eine gute Grundlage, um den Umgang mit anderen Buchhaltungsprogrammen zu erlernen.
Allerdings ist der Einsatz nicht immer gleichmässig verteilt. Wie bei vielen Gruppenarbeiten besteht auch hier die Gefahr, dass die Buchhaltung bei ein oder zwei besonders interessierten Lernenden hängen bleibt, während sich die anderen lieber anderen Aufgaben widmen. Deshalb achten die Lehrpersonen darauf, dass es in jedem Startup mehrere Personen gibt, die für die Buchhaltung verantwortlich sind. So müssen sich alle zumindest teilweise damit beschäftigen.
Auch die Rolle der Lehrpersonen verändert sich. Im Projekt gibt es weniger Frontalunterricht und mehr Coaching: Die Lehrpersonen begleiten die Gruppen und unterstützen sie dort, wo Schwierigkeiten auftreten. Diese Unterstützung betrifft auch die Zusammenarbeit. Die Lehrpersonen helfen den Lernenden, mögliche Konflikte zu lösen, beispielsweise bei der Aufgabenverteilung oder bei der Wahl des Produkts. Auch solche Diskussionen gehören zur Erfahrung, gemeinsam ein Unternehmen zu führen.
Buchhalterisches Denken und digitale Werkzeuge
Für Thibault Hutzli macht die künstliche Intelligenz das eigenständige Denken noch wichtiger. Es besteht die Gefahr, dass Lernende eine automatisch generierte Antwort übernehmen, ohne sie wirklich verstanden zu haben. Im Theorieunterricht setzt er deshalb Papier und Stift ein, um diese Fähigkeit zu trainieren. Gleichzeitig lernen die Schülerinnen und Schüler in der Startup Academy, KI bewusst einzusetzen. Dabei wird das Wissen über digitale Werkzeuge mit der Fähigkeit verbunden, selbstständig zu denken.
Zum Ausbildungsprogramm gehört auch eine summative Leistungsbeurteilung. Dabei werden sowohl die Buchhaltungskenntnisse als auch die Fähigkeit überprüft, diese mit der Software praktisch anzuwenden. Die Prüfung findet während der jährlichen Startup-Woche statt und besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil lösen die Lernenden auf der Moodle-Plattform Buchungsaufgaben. Im zweiten Teil erfassen sie dieselben Buchungen in Banana und erstellen eine Rechnung, eine Bilanz und eine Erfolgsrechnung. Dabei achten sie auch auf eine ansprechende Darstellung.
Die Verbindung von Theorieunterricht, praktischer Arbeit mit der Software und Leistungsbeurteilung benötigt allerdings genügend Platz im Lehrplan. Abschliessend macht Hutzli seine Kolleginnen und Kollegen besonders auf diesen Punkt aufmerksam: Angesichts der vielen Unterrichtsinhalte und Lernziele ist es im regulären Unterricht schwierig, die kontinuierliche Arbeit mit einer Buchhaltungssoftware sicherzustellen. Er empfiehlt deshalb, gezielt Unterrichtslektionen für Projekte einzuplanen, die solche praktischen Erfahrungen ermöglichen, wie es in der Startup Academy der Fall ist. Die Erfahrungen an der FMZ zeigen damit, wie wichtig die Organisation des Unterrichts ist, um das erworbene Wissen mit seiner praktischen Anwendung zu verbinden.